Numerologie Des Schöpfungsprozesses

Numerologie Des Schöpfungsprozesses

 

1. Alles Ist Eine Zahl – Zahlenmystik

Die alten Ägypter hatten ein wissenschaftliches und organisches System der Realitätsbeobachtung. Die heutige Wissenschaft basiert darauf, alles als tot (leblos) zu betrachten. Moderne physikalische Formeln in unseren wissenschaftlichen Studien schließen fast immer die vitalen Prozesse innerhalb der statistischen Analysen aus. Für die alten und Baladi-Ägypter ist das Universum – als Ganzes und in seinen Einzelteilen – belebt.

In der animierten Welt des alten Ägyptens bezeichneten Zahlen nicht einfach Mengen, sondern wurden als konkrete Definitionen energetischer Gestaltungsprinzipien der Natur angesehen. Die Ägypter nannten diese energetischen Prinzipien Neteru (Götter, Göttinnen).

Für Ägypter waren Zahlen nicht einfach nur ungerade und gerade – sie waren männlich und weiblich. Jeder Teil des Universums war/ist ein Mann oder eine Frau. Es gibt kein Neutrum (eine Sache). Anders als im Englischen, wo etwas „er, sie oder es“ ist, gibt es in Ägypten nur ein „er oder sie“.  Ägypter manifestierten ihr Wissen über die Zahlenmystik in allen Aspekten ihres Lebens. Der Beweis, dass Ägypten dieses Wissen besaß, ist eindrucksvoll. Einige Beispiele:

1 – Das Konzept der animierten Zahlen im alten Ägypten wurde von Plutarch, in seiner Moralia Buch V eloquent erklärt, indem er die 3:4:5 Dreiecke erklärt:

Die Senkrechte kann daher mit dem Männlichen verglichen werden, die Basis mit dem Weiblichen und die Hypotenuse mit dem Kind von beiden, und so kann man Osiris als Ursprung, Isis als Empfangende und Horus als perfektioniertes Ergebnis ansehen. Drei ist die erste perfekte ungerade Zahl: Vier ist ein Quadrat, dessen Seite die gerade Zahl Zwei ist; aber Fünf ist in gewisser Weise seinem Vater ähnlich und in einigen Dingen seiner Mutter, da die Fünf aus der Drei und der Zwei gemacht wurde. Und panta (alles) ist ein Derivat der pente (fünf) und sie sprechen vom Zählen als „Nummerierung durch Fünfen“.

Die Fünf macht ein Quadrat aus sich selbst.

Die Lebendigkeit und die Wechselwirkungen zwischen diesen Zahlen zeigen, wie sie männlich und weiblich, aktiv und passiv, vertikal und horizontal, … usw. sind.

2 – Plutarch hat festgestellt, dass die Eins für die Ägypter keine (ungerade) Zahl war, als er schrieb „Drei ist die erste perfekte ungerade Zahl“.  Für die Ägypter war die Eins nicht eine Zahl, sondern das Wesen des zugrunde liegenden Prinzips der Zahl, aus der alle anderen Zahlen gemacht wurden. Die Eins stellt die Einheit dar: das Absolute als unpolarisierte Energie. Die Eins ist weder ungerade noch gerade, sondern beides, denn wenn man sie zu einer ungeraden Zahl addiert, ergibt sich eine gerade Zahl und umgekehrt. So verbindet sie die Gegensätze von Ungerade und Gerade und allen anderen Gegensätzen im Universum. Die Einheit ist ein perfektes, ewiges, undifferenziertes Bewusstsein.

3 – Die Überschrift des altägyptischen Papyrus, der als Rhind Papyrus (oder sogenannter mathematischer Papyrus) (1848 – 1801 v. Chr.) bekannt ist, lautet:

Regeln für das Erkunden der Natur und das Wissen von allem, was existiert, jedem Mysterium, jedem Geheimnis.

Die Absicht ist ganz klar – die alten Ägypter glaubten und legten die Regeln für Zahlen und ihre Wechselwirkungen (sogenannte Mathematik) als die Basis für „alles, was existiert“ fest.

4 – Die ägyptische Berechnungsweise hatte eine direkte Beziehung sowohl mit den Prozessen der Natur als auch den metaphysischen. Sogar die in den ägyptischen Papyri verwendete Sprache diente dazu, dieses Gefühl von Vitalität und lebendigen Interaktionen zu fördern. Wir sehen dieses Verständnis beispielsweise in Beschreibung Nr. 38 des ägyptischen Papyrus, der auch als Rhind (sogenannter “Mathematischer”) Papyrus bekannt ist, in dem es heißt:

Ich gehe dreimal in die hekat (ein Scheffel, Volumeneinheit), ein Siebtel von mir wird mir hinzugefügt und ich bin wieder voll und ganz zufrieden.

5 – Die berühmte alte ägyptische Hymne aus dem Leiden Papyrus J350 bestätigt, dass die Zahlensymbolik in Ägypten mindest seit dem Alten Reich (2575-2150 v.Chr.) praktiziert wurde. Der Leiden Papyrus besteht aus einer erweiterten Zusammensetzung, die die grundsätzlichen Aspekte der alten Schöpfungserzählungen beschreibt. Das System der Aufzählung in dem Papyrus identifiziert das Prinzip/den Aspekt der Schöpfung und passt jedes seiner symbolischen Zahl an.

Von diesem ägyptischen Papyrus, bestehend aus 27 Strophen, nummeriert von 1 bis 9, dann von 10 bis 90 in Zehner, dann von 100 bis 900 in Hunderten, sind nur 21 erhalten geblieben. Das erste Wort eines jeden ist eine Art Wortspiel mit der betroffenen Zahl. Einige Teile der Leiden Papyrus werden in Verbindung mit Zahlenmystik/Auswertung im nächsten Kapitel besprochen. Jedoch findet sich eine vollständige Analyse in Egyptian Alphabetical Letters of Creation Cycle von Moustafa Gadalla.

6 – Der altägyptische Name für den größten Tempel in Ägypten, nämlich der Karnak-Tempel-Komplex, ist Apet-sut, was Zähler der Orte bedeutet. Der Name des Tempels spricht für sich. Dieser Tempel hatte seinen Ursprung im Mittleren Reich ca. 1971 vor unserer Zeitrechnung und wurde kontinuierlich während der nächsten 1500 Jahre weitergebaut.Das Design und die Aufzählung in diesem Tempel stehen im Einklang mit den Zahlencodes der Schöpfung.

Das ägyptische Konzept der Zahlensymbolik wurde anschließend im Westen von und durch den in Ägypten ausgebildeten Pythagoras (ca. 580-500 v. Chr.) populär gemacht. Es ist eine bekannte Tatsache, dass Pythagoras etwa 20 Jahre lang in Ägypten studierte.

Pythagoras und seine unmittelbaren Nachfolger hinterließen keine ihrer eigenen Schriften. Dennoch schrieben westliche Akademiker Pythagoras und den sogenannten Pythagoräern eine nicht abschließende Liste der wichtigsten Errungenschaften zu. Ihr wurde durch die westliche Wissenschaft ein Blankoscheck ausgestellt.

Pythagoras und seine Anhänger sollen Zahlen als göttliche Konzepte (Ideen des Gottes, der ein Universum von unendlicher Vielfalt und befriedigender Ordnung geschaffen) eines numerischen Musters angesehen haben. Die gleichen Grundsätze wurden mehr als 13 Jahrhunderte vor Pythagoras’ Geburt in der Überschrift des ägyptischen Rhind Papyrus erwähnt, die verspricht

Regeln für das Erkunden der Natur und das Wissen von allem, was existiert, jedem Mysterium, jedem Geheimnis.

Einige der Zahlen und ihre symbolische Bedeutung werden in den folgenden Kapiteln kurz beschrieben.

 

2. Natürliche Entwicklung – Die Geordnete Abfolge Des Schöpfungszyklus

Die Schöpfung ist das Sortieren (etwas definieren/in Ordnung bringen) des Chaos (der undifferenzierten Energie/Materie und Bewusstsein) des Urzustands. Alle altägyptischen Schöpfungsberichte stellten dies durch gut definierte und klar abgegrenzte Phasen dar. Das erste Stadium der Schöpfung wurde von den Ägyptern durch Atam/Atum/Atam dargestellt, der sich aus Nu/Ny/Nun erhob – der Neutronensuppe.

In den gesamten altägyptischen Texten finden wir konsequent die Beschreibung, wie sich ein Zustand des Seins entwickelt oder vielmehr in den nächsten Seinszustand eintritt. Und wir sehen immer, dass sich jegliche beiden aufeinanderfolgende Zustände widerspiegeln. Dies ist nicht nur wissenschaftlich korrekt, es ist auch geordnet, natürlich und poetisch. Die Ägypter waren berühmt dafür, diese wissenschaftlichen und philosophischen Themen in poetischer Form niederzuschreiben.

Zahlen entsprechen der Anordnung der natürlichen Dinge, da die meisten natürlichen Dinge vom Schöpfer in Reihenfolgen eingerichtet wurden. Die Zahlen selbst sind weder Abstraktionen noch Einheiten an sich. Die Zahlen sind Namen, die auf Funktionen und Prinzipien angewendet werden, durch die das Universum geschaffen und aufrechterhalten wird.

 

3. Die Universelle Zahl Zwei – Isis, Das Weibliche Prinzip

Wir haben gesehen, wie eine geordnete Schöpfung – in Form von Atam, dem All-Einen – sich aus dem vorschöpferischen chaotischen Zustand der Nun – des Nichts – erhob.

Wir haben auch gesehen, wie ein Zustand des Seins sich entwickelt oder in den nächsten Zustand des Seins eintaucht, und wie alle zwei aufeinanderfolgende Stufen Abbilder voneinander sind. Nun und Atam sind Abbilder voneinander, so wie die Zahlen 0 und 1 – 0 ist nichts, nil, und 1 bedeutet alles.

Das Erste, was sich aus dem Licht der Einheit des All-Einen entwickelte, war die Kraft der aktiven Vernunft, als Er Zwei aus Einem hervorbrachte, durch die Wiederholung.

Dieser göttliche aktive Grundgedanke ist das erste “Ding” aus dem die Existenz als ein Akt, ein Nachkomme, ein Bild des ersten – Atam – hervorgehen kann. Die Fähigkeit, zu empfangen/begreifen – sowohl geistig als auch körperlich – war natürlicherweise vertreten durch das weibliche Prinzip – Isis – als die weibliche Seite von Atams Einheit. Dies wurde deutlich bestätigt in Plutarchs Schriften, wo er in seiner Moralia Buch 5 schrieb:

“… daher, aufgrund der Kraft der Vernunft, wendet sich Isis dieser oder jener Sache zu und ist empfänglich für alle Arten von Gestalten und Formen.“

Es ist Isis, dieser göttliche Geist oder diese göttliche Intelligenz oder das Göttlich-Intellektuelle Prinzip, mit der die Existenz der Pluralität oder Komplexität oder Mannigfaltigkeit beginnt.

Die Beziehung zwischen dem Herrn des Universums – dem Alleinigen – und der Mutter der Schöpfung wird am besten in musikalischen Begriffen beschrieben. Die Beziehung zwischen Atam – dem All-Einen – und seinem weiblichen Ebenbild (Isis) ist wie die Beziehung zwischen dem Ton einer Note und ihrer Oktave. Stellen Sie sich eine Saite von vorgegebener Länge als Einheit vor. Versetzen Sie sie in Schwingung und sie produziert einen Ton. Halten Sie die Saite in ihrer Mitte an und versetzen Sie sie in Bewegung. Die Frequenz der erzeugten Schwingungen ist doppelt so hoch wie die der gesamten Saite und der Ton wird um eine Oktave erhöht. Die Saitenlänge wurde durch zwei geteilt und die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde mit zwei multipliziert: Eine Hälfte (1:2) hat ihre spiegelverkehrte Seite geschaffen (2:1). Diese harmonische Beziehung wird durch Atam und Isis dargestellt. Isis‘ Zahl ist die Zwei, die die Macht der Vielzahl symbolisiert, das weibliche Wandelbare, Empfängliche, Horizontale, das die Grundlage von allem darstellt.

Im altägyptischen Denken ist Isis als die Zahl Zwei das Abbild des ersten Prinzips – des göttlichen Intellekts.

Die Beziehung des Verstandes zum All-Einen, Atam, ist wie das Verhältnis des Sonnenlichts zur Sonne, von der es ausstrahlt. Die alten ägyptischen Texte beschreiben Isis als die göttliche Sonne, denn sie wird genannt

– Die Tochter des universellen Herrn.
– Der weibliche Re.
Der Licht-Geber im Himmel bei Re.

Isis ist außerdem die ausgestrahlte Energie des All-Einen. Als das weibliche Prinzip im Universum kann nur sie das geschaffene Universum empfangen und gebären. Mit anderen Worten ist Isis das Abbild des kosmischen Schöpfungsimpulses – anerkannt durch den Begriff Re. Daher sagt der altägyptische Text, wenn er über Re spricht:

“Du bist die Körper der Isis.”

(Anm. d. Ü. tatsächlich Plural, aufgrund der Dualität)

Dies bedeutet, dass Re, die kreative Energie, auch in den verschiedenen Aspekten des kosmischen weiblichen Prinzips der Isis erscheint. Als solches wird Isis auch gesehen als:

-Der weibliche Re.
-Die Herrin vom Anbeginn der Zeit.
-Der Prototyp aller Wesen.
-Die Größte der Neteru (gemeint sind die göttlichen Kräfte).
Die Königin aller Neteru.

Isis wird in den antiken ägyptischen Texten als die Gottesmutter betrachtet. Wie liebevoll sie ist – unsere Gottesmutter. Sie – das weibliche Prinzip – ist die Matrix des geschaffenen Universums. Matrix ist ein mütterlicher Begriff, Mater-X.

Auf intellektueller Ebene dient der erste Gedanke dazu, einen geordneten Plan zu ersinnen. Die alten Ägypter betonten, dass die geordnete und harmonische Natur des Schöpfungsprozesses als Maat die göttliche Ordnung und Harmonie darstellt. Maat ist eine der Manifestationen des weiblichen Prinzips – Isis.

So erklärt uns der altägyptische Papyrus, bekannt als der Bremner-Rhind-Papyrus, wie der Plan lautet:

“Ich erdachte (es) in meinem Herzen; und es wurde eine große Anzahl von Gestalten göttlicher Wesen geboren, als Gestalten der Abkömmlinge und in Gestalt ihrer Nachkommen.“ 

Der erste Schritt, um mit der Schöpfung zu beginnen, war der Erhalt des Konzepts der multiplen (göttlichen Wesen) aus dem Einen heraus. Die Gottesmutter Isis empfing den Plan – metaphysisch oder intellektuell – in ihrem liebenden Herzen. Dies ist zugleich eloquent und poetisch, weil das Herz als Symbol der geistigen Wahrnehmung, des Bewusstseins und der Zivilcourage angesehen wurde/wird. Isis ist daher auch als Mächtige Herz (Mighty Heart) bekannt.

Wie eloquent, dass die Göttliche Mutter Isis, die Gebärmutter des Universums, auch diejenige ist, die den Schöpfungsplan empfing und dann ihre Teile gebar – als ihre Kinder und deren Kinder. Die alten ägyptischen Texte betonen eine geordnete Abfolge der Schöpfung, die im Grunde ein System der notwendigen Emanation, Prozession oder Irradiation ist, begleitet von der notwendigen Aspiration oder der Rückkehr zur Quelle: alle Formen und Phasen der Existenz fließen von der Göttlichkeit weg und alle streben danach, dorthin zurückzukehren und dort zu bleiben.

 

4. Die Universelle Zahl Drei – Osiris, Das Männliche Prinzip

Nachdem der Plan der Schöpfung durch die göttliche Vernunft konzipiert ist, ist es der nächste logische Schritt, diese zum Leben zu erwecken. Daher erzeugt der göttliche Gedanke der Isis eine Kraft, die dazu geeignet ist, ihre Gedanken zu verwirklichen. Das Zum-Leben-Erwecken oder die Animation des Schöpfungsplanes wird durch die All-Seele oder universelle Seele des Alls hervorgerufen. Die universelle Seele wurde im Alten Ägypten durch Osiris repräsentiert – dem Dritten in der Reihenfolge der Schöpfung. Und die Zahl 3 wurde durch ihn vermittelt. Osiris ist die ewige Emanation und das Abbild der zweiten Manifestation, des geistigen Prinzips. Jede Stufe der Schöpfung neigt dazu, ein Abbild von sich selbst zu erzeugen; es tendiert außerdem dazu, sich der nächsthöchsten Stufe anzuschließen, dessen Schatten oder schwächere Manifestation sie selbst ist – Isis ist ein Abbild des ersten Prinzips und ihr Schatten ist Osiris. Wie aufschlussreich!

In der geordneten Reihenfolge der Schöpfung war es das weibliche Prinzip Isis, die dem Plan, nachdem sie ihn empfangen hatte, Leben einhauchte. Als solche wird Isis genannt:

– Isis, die Verleiherin des Lebens.
– Isis, die Herrin des Lebens.
– Isis, die Spenderin des Lebens.
Isis, die Bewohnerin von Neteru.

 

5. Die Universelle Trinität & Dualität

Wie wir gesehen haben, benötigt es drei Komponenten, um etwas zu erschaffen und zum Leben zu erwecken. So umfasst der Prototyp der Erzeugung drei Elemente der Schöpfungs-Dreifaltigkeit, die – kurz beschrieben – die folgenden sind:

Das Erste ist der Eine oder der Erste Existierende – von den Ägyptern Atam genannt. Der vollständige EINE – der Eine, der alles ist. Das Zweite ist das weibliche Prinzip, genannt Isis, die den göttlichen Geist enthält, oder die erste Denkerin und der erste Gedanke, den Ort der metaphysischen und physischen Empfängnis – die Gebärmutter, die Kammer, das gesamte Universum. Das Dritte ist das männliche, lebhafte, lebendige, dynamische, energische Prinzip, genannt Osiris, das als die All-Seele bekannt ist. Die alten Ägypter erkannten die Bedeutung der Trinität im Schöpfungsprozess. Daher drückten die alten ägyptischen Texte die Trinität als Einheit aus durch das Singularpronomen – es ist die Drei, die Zwei sind, die Eins sind.

Die Triade ist die Gottheit und ist göttlich. Es ist der Ausdruck der von der Göttlichkeit ausgehenden Energie. Eine solche wurde in dem alten ägyptischen Text, bekannt als der Bremner-Rhind Papyrus, passend zum Ausdruck gebracht:

“Ich war vor den beiden Vorangegangenen da,
die ich erschuf, da ich den Vorrang hatte vor den beiden Vorangegangenen,
die ich geschaffen habe, weil mein Name vor deren Namen da war,
weil ich diese vor den beiden Vorangegangenen gemacht habe …“

Der ägyptische Text zeigt uns, dass die Einheit, die sich ihrer selbst bewusst wurde, zwei polarisierte Energien schuf: zwei neue Elemente, wovon jedes die Natur des anderen teilte. Mit anderen Worten, sowohl das männliche als auch das weibliche Prinzip hatte Anteil am jeweils anderen. Auf der geistigen Ebene ist das weibliche Prinzip sowohl passiv als auch aktiv, da Isis den Plan in einem passiven Zustand empfing, und ihm dann Leben einhauchte, womit ihre Aktivität als eine Erweiterung ihrer Passivität reflektierte, d. h. der Intellekt und die Weltseele stehen in Relation von aktivem und passivem Intellekt.

Der Intellekt an sich ist immer gleich, er ruht in statischer Aktivität. Dies ist eine weibliche Eigenschaft. Eine Bewegung auf ihn zu und um ihn herum ist das Werk der Seele, die sich vom Intellekt zur Seele entwickelt und die Seele vergeistigt, ohne einen weiteren Zustand zwischen Geist und Seele zu schaffen. Und auf der Seelenebene ist Isis die passive Seele und Osiris ist die aktive Seele.

Immer wieder stellen wir fest, dass die Reihenfolge der Schöpfung auf einer Stufe basiert, die sowohl der natürliche Fortschritt als auch das Abbild der folgenden Stufe darstellt – und umgekehrt. Von aktiv-passiv zu passiv-aktiv verläuft die Kettenreaktion (um es so zu nennen) der Schöpfung. Zeit stellt sich dar als das „Leben“ der Seele, im Gegensatz zur Ewigkeit, die der Existenzzustand des Geistes ist. Jedoch ist die Seele ein Wesen, das verschiedene Ebenen der Realität umfasst, und wir finden immerhin gelegentlich den höchsten Aspekt, bei dem sich die Seele weitgehend dem Intellekt anpasst.

Die Beziehung der Seele zum Verstand ist wie die Beziehung des Lichtes des Mondes zum Licht der Sonne. Genauso, wie wenn der Mond durch das Licht der Sonne zum Vollmond wird, sein Licht zu einer Nachahmung des Sonnenlichts wird, genauso ist es, wenn die Seele die Ausstrahlungen des Intellekts empfängt und ihre Tugenden perfekt werden und ihre Taten die Handlungen des Intellekts nachahmen. Wenn ihre Tugenden perfekt werden, dann hat sie ihr Wesen erkannt und die Realität ihrer Beschaffenheit.

Die vereinten Kräfte des göttlichen Geistes und der göttlichen Seele ermöglichen die Schaffung der natürlichen Welt. Isis als das göttlich-geistiges-Prinzip hat zwei Aufgaben – die der aufwärtsgerichteten Kontemplation über Den Einen und die der Schaffung der niederen Allseele. Gleichermaßen hat die All-Seele zwei Aufgaben: Sie sinnt gleichzeitig über das intellektuelle Prinzip nach und erschafft in der Fülle ihrer eigenen Perfektion die natürliche und fruchtbare Seele, deren Antrieb es ist, das niedere, materielle Universum zu zeugen und zu formen nach dem Modell der göttlichen Gedanken, den „Ideen“, die innerhalb des göttlichen Geistes niedergelegt wurden. Die All-Seele ist sowohl der Antrieb der Bewegung als auch der Form oder des materiellen oder sinnlich-erlebbaren Universums, welches ein Werk und eine Emanation, ein Abbild und „Schatten“ der Seele ist. Mit den vereinten Kräften von weiblichen und männlichen Energien wurde der Schöpfungsplan zum Leben erweckt.

 

6. Der Universal-Nummer Fünf-Horus, Das Phänomen

Zwei symbolisiert die Kraft der Mannigfaltigkeit – das weibliche, wandelbare Gefäß, während die Drei das männliche symbolisiert. Dies war die Sphärenmusik – die universellen Harmonien, die zwischen diesen ersten weiblichen und männlichen universellen Symbolen von Osiris und Isis gespielt wurden, deren himmlische Hochzeit das Horuskind (mit der Zahl 5) hervorbrachte.

Alle Phänomene sind ihrer Natur nach ausnahmslos polar und ihrem Prinzip nach dreifach. Deshalb ist die Fünf der Schlüssel zum Verständnis des manifestierten Universums, welches Plutarch im ägyptischen Kontext erklärte

… Und panta (alles) ist ein Derivat von pente (fünf)

Die Bedeutung und Funktion der Zahl Fünf im alten Ägypten wird durch die Art und Weise angegeben, in der sie geschrieben wurde. Die Zahl Fünf wurde im alten Ägypten als zwei I I über drei I I I geschrieben (oder manchmal auch als fünfzackiger Stern). Mit anderen Worten, die Zahl Fünf (der Sohn – Horus) ist das Ergebnis der Beziehung zwischen der Zahl Zwei (die Mutter – Isis) und der Zahl Drei (der Vater – Osiris).

 

7. Die Numerische Reihenfolge Der Schöpfung 2,3,5  Die Summationsreihe

Die Folge der numerischen Schaffung von Isis, gefolgt von Osiris gefolgt von Horus ist 2,3,5, …

Es ist eine progressive Reihe, bei der man mit den beiden primären Zahlen des alten ägyptischen Systems startet, das heißt 2 und 3. Dann addiert man ihre Summe zu der fortlaufenden Zahl und immer so weiter – jede Zahl ist die Summe der beiden vorangegangenen. Die Reihe würde daher so lauten:

2
3
5 (3+2)
8 (5+3)
13 (8+5)
21 (13+8)
34 (21+13)
55 (34+21)
89, 144, 233, 377, 610, . . .

Die Summationsreihe findet sich überall in der Natur. Die Zahl der Samen in einer Sonnenblume, die Blütenblätter einer Blume, die Anordnung von Tannenzapfen, das Wachstum einer Nautilusmuschel usw. – alles folgt dem gleichen Muster dieser Serie.

(Mehr Informationen über diese Summationsreihe und ihre Verwendung im alten Ägypten seit mindestens 4500 Jahren finden Sie im Buch „Die altägyptische metaphysische Architektur” von Moustafa Gadalla.]

 

[Ein Auszug aus dem Buch “Ägyptische Kosmologie: Das belebte Universum”, dritte Ausgabe von Moustafa Gadalla]

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